Medizin-Geschichten

Die Heilpflanze des Monats Juni 2014
Kurioses, Bizarres, Interessantes

Folge 26: Echtes Johanniskraut (Hypericum perforatum)

Am 24. Juni wird der Geburt Johannes‘ des Täufers gedacht. Zu dieser Zeit steht Hypericum in schönster Blüte. Das hat der Pflanze mit den gelben Blüten den deutschen Namen Johanniskraut eingebracht. Juni ist also der am besten passende Monat, etwas über diese Pflanze zu erzählen.

Johanniskraut gehört sicher zu den bekanntesten Heilpflanzen überhaupt. Wohl jeder weiß, es wird gegen leichte bis mittelschwere Depression eingesetzt und auch ganz offiziell empfohlen. Johanniskraut wird schon seit der Antike als Arzneipflanze geschätzt. Die Liste der Indikationen ist lang: Hypericum sollte zum Beispiel bei Ischias und Würmern helfen, Herz und Leber kräftigen, die Nieren reinigen, Geschwüre heilen und Gift aus dem Körper ziehen. Die Indikation Depressionen jedoch sucht man vergebens. Wieso?

Nun, der Terminus „Depression“ ist relativ jung. Die Bezeichnung kam erst im 19. Jahrhundert auf. Davor sah man Melancholie, Verzweiflung, Verstimmungen und Suizidgedanken als das Werk von Teufel, Dämonen oder Hexen an, als Zeichen von Besessenheit und Zauber. Und dagegen galt Johanniskraut als eines der probatesten Mittel überhaupt. Die Pflanze wurde sogar als „fuga daemonum“, als Teufelsaustreiber bezeichnet. Um 1525 beschrieb der Arzt und Naturforscher Paracelsus in seinem Werk „Von den natürlichen Dingen“ die Wirkung des Johanniskrauts gegen die „dollmachenden Geister“.Und genau durch diesen Einsatz erkannte man, dass sich Hypericum positiv auf die Psyche auswirkt.

Im Mittelalter gehörte Johanniskraut zu den wichtigsten Zauberkräutern. Schwache und für Verzauberung anfällige Menschen wie Wöchnerinnen und Kinder wurden mit dem Kraut beräuchert, oder Johanniskraut wurden in ihre Betten gelegt. Hypericum schützte praktisch vor allem. So wurden die Pflanzen etwa kreuzweise an ein Fenster gehängt – zum Schutz vor Blitzschlag. Es hieß, der Teufel sei so wütend gewesen über diese mächtige Schutzpflanze, dass er die Blätter mit seinen spitzen Krallen durchbohrte. Und wirklich: Hält man Johanniskrautblätter ans Licht, sehen sie aus wie durchlöchert (deshalb ist der Art- oder Epitheton-Name „perforatum“, durchlöchert). Was man da sieht, sind viele kleine Öldrüsen, die das rote Johanniskrautöl (früher das Blut des Johannes des Täufers genannt) produzieren, das ebenfalls medizinisch eingesetzt wird.

Quelle:
u.a.  Gerhard Madaus: „Bioheilmittel“

Ursula Armstrong | Redaktion | Sperberweg 2 | D-82152 Krailling | Telefon: +49 (0) 163 / 313 21 10 | e-mail: mail@uschi-armstrong.de | www.redaktion-armstrong.de

Alle Heilpflanzen des Monats

Johanniskraut

Die gelben Blüten des Johanniskrauts erscheinen um den 21. Juni, also um die Sommersonnwende. Dieser mächtigen Schutz- und Heilpflanze kam denn auch eine wichtige Rolle bei den Mittsommernachtsfeiern zu. Kelten und Germanen schmückten Götterbilder, Altäre und Opfertiere mit dem Kraut. Und während der Sonnwendfeiern wurden Gürtel aus dem Kraut getragen und dann ins Feuer geworfen.

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